Der Adventsengel in Wannweil
von Oskar Schaumburg

Jedes Jahr im Winter,
Zu Beginn der Weihnachtszeit;
Sind so machen Kinder
Zur mehr Folgsamkeit bereit.

Denn die Wünsche an den Weihnachtsmann,
Werden denen nur erfüllt;
Die öfters mal so dann und wann,
Zum brav sein sind gewillt.

Der Weihnachtsmann sich jetzt bemüht,
Die Kinder zu observieren;
Weil selber er nicht alles sieht,
Schickt er Engel zum spionieren.

So kam auch in diesem Jahr,
Ein Engel nach Wannweil;
Einer, der noch nie auf Erden war,
In einer Kutsche mit zwei Gäul.

Am Burghau auf den Hügeln,
Ließ er die Kutsche steh´n;
Flog weiter mit den Flügeln,
Es konnt´ ihn niemand seh´n.

So flog er um den Kirchturm rum,
Dreht um´s Rathaus einen Kreis;
Wollt´ sich setzen, doch wie dumm,
Auf dem Dach da hat es Eis.

Der Engel fiel vom Dach herab,
Vergaß vor Schreck das Fliegen;
Bei dem Schlangenbrunnen knapp,
Blieb er dann heulend liegen.

Fluchen tut der Engel nicht,
Obwohl er´s am liebsten täte;
Auch für Menschen es nicht spricht,
Wenn sie fluchen an einer Kette

Unser Engel riß sich zusammen,
Rappelt sich am Brunnen hoch;
Statt fluchen, sagt er Dank und Amen,
Er konnt´ ja geh´n und fliegen noch.

Auch konnt er klar noch denken,
besann sich auf den Weihnachtsmann;
Der will ja dieses Kind beschenken,
Das immer brav und lieb sein kann.


Viele Kinder kann er hier sehen,
Spielend auf dem Rathausplatz;
Nach kurzem Ruck und drehen,
Springt er auf mit einem Satz.

Doch was er sieht, o Schreck,
Kann unser Engel gar nicht leiden;
Da wirft man einfach Dosen weg,
Fängt auch noch an zu streiten.

Dass man mit Brunnenwasser spielt,
Kann er noch verschmerzen;
Doch wenn man auf Erwachsene zielt,
Da hört dann auf das Scherzen.

Was die Kinder alles treiben,
Welche brav sind, welche nicht;
Muß er in sein Büchlein schreiben,
So lautet des Engels strenge Pflicht.

Wieder hebt er seine Schwingen,
Doch da dringt plötzlich an sein Ohr;
Ein reines schönes Singen,
Vom Wannweiler Kinderchor.

Jetzt wird unser Engel munter,
Vom Gemeindehaus kommt her der Ton.
Er schwebt sogleich die Treppe runter,
Da sah er die vielen Kinder schon.

Sie sangen festlich schöne Lieder,
Von Maria und vom Jesuskind.
Der Engel nimmt gleich wieder,
Sein Büchlein her geschwind.

„Diese Kinder muß ich loben“,
Schreibt er in sein Büchlein rein;
Der Weihnachtsmann da droben,
Wird da wohl zufrieden sein.

Ihm muß er gleich berichten,
Im Büchlein steht´s wohl schon.
Erzählen die Geschichten,
Mit seinem Handy-Telefon.

Der Weihnachtsmann war hocherfreut:
„Zu diesen Kindern, diesen Frommen;“
Sagt er, “ muß ich, wenn auch nicht heut´,
Doch demnächst selber kommen.“

Zufrieden flog der Engel jetzt davon,
Winkt noch mal zurück geschwind;
Zu den Engeln aus Papier, Metall und Ton,
Die im Rathaus ausgestellt sind.